Gesundheitsregion plus Miltenberg Gesundheitsregion plus Miltenberg

3. Treffen der Arbeitsgruppe „Gesundheitsversorgung“

19.01.2016
Kreis Miltenberg. Am Mittwoch vergangener Woche hat die Gesundheitsregionplus Miltenberg ihre Arbeit unter der Leitung von Landrat Jens Marco Scherf fortgesetzt. Größter Diskussionspunkt war die Priorität 1 der Arbeitsgruppe „Erhöhung der Zahl der Kinderärzte im Landkreis“.

Kinderarzt Schmid aus Miltenberg begrüßte das Engagement auf kommunaler Ebene, an der derzeitigen Situation etwas ändern zu wollen. Den Anwesenden erläuterte er die der-zeitige Problematik. Von ehemals acht Kinderärzten seien im Landkreis nur noch sechs übrig. Derzeit bestehe zwar noch eine halbe Planstelle für einen Kinderarzt, aber nach Aussage von Schmid sei diese in der Vergangenheit nicht zu besetzen gewesen. Außerdem wäre dies keine echte Entlastung, da im nördlichen Landkreis so viele Kinder zu versorgen seien, dass man mindestens eine volle Planstelle bräuchte. Obendrein würden alle Kinderarztpraxen im Landkreis jetzt bereits am Limit arbeiten, so dass faktisch ein landkreisweiter Aufnahmestopp herrsche, abgesehen von der Behandlung akuter Fälle. Termine würden zum einen nach Dringlichkeit vergeben, zum anderen würden die Eltern auch durch Aushang in der Praxis darauf hingewiesen, dass für Vorsorgeuntersuchungen sechs bis neun Monate Wartezeit bestünden. Somit würden Versorgungsengpässe bereits heute bestehen. Dazu komme noch, dass die Krankheitsbilder der Kinder heute sehr viel komplexer und dadurch zeitaufwendiger als früher seien. Es gebe mehr chronisch erkrankte Kinder und auch der psychosoziale Versorgungsaufwand nähme zu. Hierbei stelle ein besonderes Problem dar, dass es im Landkreis keinen Kinder- und Jugendpsychiater gebe. Auch hier müssten die Kinderärzte oft beratend zur Seite stehen. Dies sei häufig sehr zeitaufwendig.

Schmid und seine Kolleginnen und Kollegen hatten in die neue Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) große Hoffnungen gesetzt. Diese sollte eigentlich die regionalen Gegebenheiten miteinbeziehen. Hiermit sind insbesondere die Mitversorgung von Ortschaften aus den benachbarten Bundesländern wie u.a. Freudenberg, Seckmauern und Lützelbach gemeint, welche nicht mehr zum Landkreis Miltenberg gehören, aber deren Bevölkerung durch die Einrichtungen im Landkreis Miltenberg mitversorgt werden, wie Landrat Scherf betonte. Die Bedarfsplanung habe sich allerdings nach der Anpassung zum schlechteren entwickelt (vorher 8 Kinderärzte, jetzt nur 6 plus ein halber vakanter Sitz).

Landrat Scherf zählte weitere gewichtige Gründe auf, derentwegen eine ganze Planstelle für die kinderärztliche Versorgung im Landkreis Miltenberg dringend erforderlich ist:

  • Geburtenentwicklung nimmt zu (laut Statistischem Landesamt im ersten Halbjahr 2014 481 Geburten, im ersten Halbjahr 2015 524 Geburten). 
  • Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Kindern sowie 84 unbegleitete Minderjährige, Tendenz steigend. 
  • Wachstums- und Zuzugsregion: Steigende Kinderzahlen durch die gute wirtschaftliche Lage am Bayerischen Untermain. Der Landkreis Miltenberg gehört zur Metropolregion Rhein-Main und ist Industriestandort. Die Firmen haben Bedarf an Fachkräften und diese wiederum machten ihren Wohnortwechsel von der Infrastruktur der Region abhängig. Hierzu zähle eben auch die medizinische - und hier insbesondere auch die kinderärztliche Versorgung.

Weiterhin wurde bei dem Treffen auch der von der Bevölkerung schon lange gehegte Wunsch nach einem kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Landkreis gerade an den Wochenenden thematisiert und diskutiert. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass bei derzeit sechs Kinderärzten kein Bereitschaftsdienst rund um die Uhr stattfinden könne, Denkbar wäre allerdings ein stundenweiser Sitzdienst an den Wochenenden.

Der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Herr Heiligenthal, nahm alle Diskussionspunkte mit nach Würzburg.

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