Gesundheitsregion plus: 1. Treffen der Arbeitsgruppe „Pflege, Palliativ- und Hospizversorgung“

25.01.2016
Am Dienstag vergangener Woche hat sich die dritte Arbeitsgruppe der Gesundheitsregionplus Miltenberg, die AG Pflege, Palliativ- und Hospizversorgung unter der Leitung von Landrat Jens Marco Scherf konstituiert. Hauptthema war die Schwerpunktsetzung für die künftige Gruppenarbeit.

Gesundheitsregion plus Miltenberg

Ziele der Arbeitsgruppe sind die Stärkung des Berufsbildes „Pflege“, der Ausbau von Angeboten sowie die Information der Öffentlichkeit vor. Danach gab Judith Seidel, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus einen Überblick über die bisherige Bestandsanalyse. Seidel sieht den Landkreis und die Region Bayerischer Untermain insgesamt gut mit palliativen und hospizlichen Angeboten versorgt. Einzig beim Thema SAPPV (Spezialisierte ambulante pädiatrische Palliativversorgung) sei in Unterfranken noch ein „weißer Fleck“ zu beklagen. Unklar sei die Situation um die Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV), wie sie niedergelassene Hausärzte und Pflegedienste erbringen. Hier bestehe noch Abklärungs- und ggf. Handlungsbedarf.

Im Bereich der Pflegeberufe stehen gerade große Veränderungen an wie beispielsweise die generalisierte Pflegeausbildung. Diese sieht vor, die bisherigen Berufsbilder „Gesundheits- und Krankenpflege“, „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ sowie „Altenpflege“ zu einem Berufsbild zusammenzufassen. Die neue Berufsbezeichnung soll ab 2018 wie in der Schweiz „Pflegefachfrau / Pflegefachmann“ heißen.

Beate Höltermann, Leiterin der BRK-Berufsfachschule für Altenpflege in Erlenbach, sieht die neuen Entwicklungen pragmatisch und eher positiv: „Ändern kann man es ohnehin nicht mehr. Jetzt kommt es auf die konkrete Ausgestaltung an“. Heiko Basch, Pflegedienstleiter der Helios-Kliniken im Landkreis Miltenberg, sprach die Abwanderung von hochqualifizierten Pflegekräften in andere Regionen an, die aufgrund der Rahmenbedingungen „nicht auf Normalstation“ arbeiten möchten.

Seidel thematisierte das Potential von akademisierten Pflegekräften, die gerne in der Nähe von Patienten weiterarbeiten wollten, wenn die Vergütungsstruktur auch ihren akademischen Abschluss abbilden würde. Als Beispiel nannte sie den Studiengang „Advanced practice Nurses“ (APN), der bereits heute in vielen europäischen Ländern Standard ist. Auch in Deutschland bereitet dieses Studium Pflegefachkräfte auf Masterniveau für die hochspezialisierte Tätigkeit z.B. auf Intensivstationen vor. Diese evidenzbasierte Pflege sei ein großer Schritt hin zur Professionalisierung des Berufsbildes und mache deutlich, welchen Stellenwert das Berufsbild Pflege zukünftig in der Versorgung haben könnte.

Nach weiteren inhaltlichen Wortmeldungen und einer angeregten Diskussion beschloss die Arbeitsgruppe ihre künftigen Arbeitsschwerpunkte:

  • Erarbeitung und Entwicklung von nachhaltigen Konzepten und Rahmenbedingungen gegen den Fachkräftemangel im Pflegebereich (Priorität 1).
  • Stärkung und Aufklärung der Bevölkerung / pflegenden Angehörigen (Priorität 2).
  • Überprüfung der Situation der Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) im Landkreis durch niedergelassene Ärzte / Pflegedienste (Priorität 3).

Die Arbeitsgruppe wählte Beate Höltermann, Leiterin der BRK-Altenpflegeschule, zur Arbeitsgruppenleiterin. Ihr Vertreter ist Gerhard Schuhmacher, Sprecher des Arbeitskreises Pflege der ARGE Wohlfahrt im Landkreis Miltenberg.

Abschließend wies Seidel noch auf die Wanderausstellung „Who Cares“ hin, die vom 25. Januar bis 12. Februar 2016 im Foyer des Landratsamtes in Miltenberg zu sehen sein wird. Zur Eröffnung der Ausstellung am 27. Januar wird Anja Kistler, Geschäftsführerin der ersten Landespflegekammer in Deutschland (Rheinland-Pfalz), zu aktuellen Entwicklungen im Pflegebereich berichten.

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