KV sagt Prüfung einer Bereitschaftspraxis in Miltenberg zu

14.11.2016
Noch besteht die Chance auf eine zweite Bereitschaftspraxis im südlichen Landkreis Miltenberg: In einem Gespräch in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Würzburg hat der Vorstandsvorsitzende der KVB, Wolfgang Krombholz, zugesagt, die entsprechenden Pläne der Ärzte und der Odenwald-Allianz zu prüfen. Er knüpfte dies an die Bedingung, dass schnellstens ein Businessplan eingereicht wird. Der KV-Vorstand will den Plan prüfen und bereits am 26. November in der Vertreterversammlung der KV präsentieren.

Gesundheitsregion plus Miltenberg

Über zwei Stunden lang tauschten Vertreter der KV und der Odenwald-Allianz ihre Argumente aus – teilweise bei erhöhter Lautstärke und manch hitzigen Einwürfen. Dass dem Landkreis die zweite Bereitschaftspraxis wichtig ist, zeigte die große Anzahl von Ärzten und Politikern, die den Weg nach Würzburg angetreten hatte. Angeführt von Landrat Jens Marco Scherf, waren mehrere Kreisräte vor Ort (Dr. Florian Herrmann, Roland Weber, Dr. Heinz Linduschka, Dr. Hans Jürgen Fahn und Wolfgang Zöller), dazu der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Erwin Dittmeier, die Geschäftsführerin der Gesundheitsregion plus, Judith Seidel, die Bürgermeister Wolfgang Hörnig (Faulbach) und Dietmar Wolz (Dorfprozelten) von der Südspessart-Allianz, die Bürgermeister Peter Schmitt (Amorbach), Helmut Demel (Miltenberg), Thomas Grün (Bürgstadt), Erich Kuhn (Schneeberg), Günther Winkler (Eichenbühl), Bernhard Kern (Weilbach) und Stefan Schwab (Kirchzell). Die Ärzte Michael Hascher, Wolfram Link, Klaus-Dieter Brems und Jörg Fries (Ärztlicher Kreisverband Aschaffenburg/Miltenberg) schlossen sich der Delegation an wie auch die Managerin der Odenwald-Allianz, Linda Plappert-Metz, die Beraterin der Allianz, Christine Becker, sowie Franz-Josef Zöller (Senioren-Union).

Landrat Jens Marco Scherf (zweiter von links) forderte die KV auf, eine für die Region passende Lösung zu finden. Mit dabei in Würzburg waren auch Kreistagsmitglied Wolfang Zöller (links) sowie der Leiter des Gesundheitsamt Miltenberg, Dr. Erwin Dittmeier, und die Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus, Judith Seidel.

Dass es zu diesem runden Tisch kam, ist einer Initiative von Landrat Jens Marco Scherf zu verdanken. Er war bei einer Veranstaltung in Schneeberg von mehreren Ärzten darauf aufmerksam gemacht worden, dass Odenwald-Allianz und Ärzte ein Konzept entwickelt hätten, das sie der KVB gerne vorstellen würden. Scherf hatte daraufhin im Namen der Gesundheitsregion plus ein Schreiben an Gesundheitsministerin Melanie Huml und die KVB versandt mit der Bitte, dass die Ärzte ihr Konzept darlegen dürfen. Daraufhin hatte der Vorstandsvorsitzende der KVB, Wolfgang Krombholz, zu einem runden Tisch eingeladen. Die Gesundheitsministerin habe Scherf zufolge der Gesundheitsregion ihre Rückendeckung gegeben, sollte es zu einer kleinen, regionalen Lösung kommen.

In Würzburg legten KV-Vorsitzender Krombholz und Gökhan Katipoglu, Bereichsleiter der KV für den Bereitschaftsdienst in Bayern, ihre Argumente vor, die für die Einrichtung einer einzigen Bereitschaftspraxis sprechen. Laut Krombholz sei es der Auftrag an die KV, den Bereitschaftsdienst für ganz Bayern zu entwickeln und dies werde man auch tun. Als Argumente führte er unter anderem den Mangel an Ärzten an, aber auch die Sicherheit, die man durch Einrichtung eines Fahrdiensts für Ärzte erhöhen werde. Dieses Modell werde bereits vielfach in Bayern erfolgreich praktiziert, so Krombholz. Gökhan Katipoglu ergänzte, dass Berechnungen zufolge jede Bereitschaftspraxis – in Erlenbach wie auch in den benachbarten Bundesländern – innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit erreicht werden könnte.

Mit dieser Einschätzung blieb er allerdings alleine: Gleich mehrfach brachten Vertreter aus dem Landkreis Beispiele, dass dem nicht so sei und führten die schwierige Topographie von Spessart und Odenwald an. Landrat Jens Marco Scherf forderte die KV auf, keinen „Einheitsbrei“ für ganz Bayern zu produzieren, sondern eine für die Region passende Lösung zu finden. Die Bereitschaftspraxis Süd in Miltenberg sei zurzeit das Top-Thema in der Gesundheitsregion plus. Dass nicht nur die Ärzte, sondern auch die Bevölkerung dies wünschen, bewiesen über 5000 Unterschriften. „Wir wollen die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung“, mahnte er und bat die KV, die Konzeption der Ärzte anzuhören und zu prüfen, ob dies nicht die beste regionale Lösung sei.

Dr. Michael Hascher erläuterte der KV das Konzept der Ärzte und der Odenwald-Allianz für eine Bereitschaftsdienstpraxis in Miltenberg.

In einem engagierten Vortrag legte Dr. Michael Hascher das Konzept der Odenwald-Allianz und der Ärzte vor, das weit über eine reine Bereitschaftspraxis hinausgeht. Eine Bereitschaftspraxis solle zwar laut Gesetz an einem Krankenhaus angesiedelt sein, sagte er, „sollen heißt aber auch, dass regionale Besonderheiten berücksichtigt werden dürfen.“ Eine Gruppe mit Ärzten aus dem Raum Miltenberg und Amorbach werde die Region gut versorgen, versprach er und belegte, dass die Dienstgruppe heute und in der Zukunft groß genug dafür sei. „Uns geht es nicht nur ums Geld“, sagte Hascher, „uns geht es darum, dass unsere Ärzte unsere Leute behandeln und nicht anonyme Poolärzte.“ Mit dem Konzept einer Bereitschaftspraxis Süd könnten Ärzte und Personal im gewohnten Umfeld arbeiten, hätten kürzere Wege und könnten die Praxisorganisation besser planen. Die Kooperation mit den Orthopäden und Chirurgen, dem HNO- und dem Augenarzt im Ärztehaus in der Breitendieler Straße in Miltenberg bringe riesige Vorteile, führte Hascher an und freute sich, dass „alle in der Region an einem Strang ziehen.“ Alle Beteiligten erwarteten darüber hinaus eine verbesserte Identifikation junger Kollegen mit der Region und eine bessere Chance auf die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses. Dies wolle man etwa mit Weiterbildungsverbünden mit umliegenden Krankenhäusern erreichen, aber auch durch die Förderung guter Abiturienten aus der Region mit Interesse an der Medizin. „Bei uns kocht ein Kessel voller guter Ideen“, sagte Hascher. Zudem bezweifelten die Ärzte im Süden, dass die Dienstbelastung für die Ärzte durch die größere Bereitschaftsdiensteinheit tatsächlich sinken wird, wie dies von der KV prognostiziert wird.

„Wir wollen die KV nicht als Gegner, sondern als Partner“, bat Bürgermeister Peter Schmitt die KV um wohlwollende Prüfung der Pläne, denn beide Seiten hätten das gleiche Ziel: die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung. Er bat wenigstens um die Chance, ein solches Pilotprojekt für zwei bis drei Jahre zu ermöglichen. Diese Prüfung sagte die KV am Ende der Veranstaltung zu, ein Wermutstropfen bleibt dennoch: Die Zusammenlegung der Dienstgruppen Anfang Januar 2017, die dank des guten Willens der KV bereits einmal verschoben worden sei, werde umgesetzt, stellte Krombholz klar. Bis 19. November müssen die Ärzte im Süden entscheiden, ob sie gegen die Ablehnung ihres Widerspruchs klagen werden.

Am Rande der Sitzung wurde auch bekannt, dass die im Gespräch befindliche Einführung einer einzigen Bereitschaftsdienstpraxis für die Landkreise Miltenberg und Aschaffenburg definitiv nicht kommen wird und dass es auch künftig mindestens eine Bereitschaftspraxis für den Landkreis Miltenberg geben wird.

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