Psychische Störungen so früh wie möglich erkennen und behandeln

04.10.2016
Seit 25 Jahren gehört der Gesundheitstag, veranstaltet vom Gesundheitsamt zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern, zum festen Angebot des Landkreises, die Bevölkerung zu informieren und für ein gesundheitsbewusstes Leben zu sensibilisieren. Auch die 25. Auflage am Sonntag in der Bürgstadter Mittelmühle war wieder von einem bunten Angebot geprägt – diesmal mit zahlreichen Bewegungsangeboten.

Gesundheitsregion plus Miltenberg

Dr. Erwin Dittmeier, Leiter des Gesundheitsamts, freute sich in seinen Eröffnungsworten über zahlreiche Gäste aus Politik, Krankenkassen, Schulen, Wohlfahrtsverbänden und Sparkasse. Dass es den Gesundheitstag bereits seit einem Vierteljahrhundert gibt, ist für Landrat Jens Marco Scherf beachtlich und lobenswert. Das diesjährige Motto sei „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, sagte er bei der offiziellen Eröffnung. Obwohl in Deutschland die meisten Kinder und Jugendlichen gesund aufwachsen, so seien psychische Störungen und Erkrankungen dennoch häufig zu beobachten. Die Zahl der ambulanten und stationären Behandlungen habe in den letzten Jahren stark zugenommen, wusste Scherf und untermauerte dies mit Zahlen. „Jedes Kind und jeder Jugendliche kann betroffen sein und keine Bevölkerungsschicht ist ausgenommen“, stellte er fest.

Glücklicherweise sei die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für psychische Störungen und Erkrankungen gestiegen, begleitet von einer weitgehenden Enttabuisierung. Deshalb würden Hilfs-, Beratungs- und Behandlungsangebote heute weit mehr und frühzeitiger als früher angenommen. Dass es vermehrt zu solchen Erkrankungen kommt, machte der Landrat an einigen Punkten fest: den veränderten Familienstrukturen mit Kleinfamilien und häufig allein erziehenden Elternteilen, zudem seien mehr Stress, Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und Freizeitstress zu beobachten. Wenn Eltern psychisch erkrankt sind, habe dies auch Auswirkungen auf Kinder – begleitet von Gefühlen der Desorientierung und Schuld sowie der Übernahme von elterlichen Aufgaben und Rollen.

Es sei enorm wichtig, psychische Störungen und Erkrankungen so frühzeitig wie möglich zu erkennen und einer qualifizierten Hilfe und Behandlung zuzuführen, so der Landrat. Gefordert seien Medizin und Psychotherapie, aber auch alle Beratungs- und Betreuungseinrichtungen. Genauso wichtig sei es, eine Umwelt zu schaffen, in der Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen und sich normal entwickeln können. „Hierfür gibt es in unserem Landkreis eine Vielzahl von Einrichtungen, Organisationen und Vereinen, die dies fördern und unterstützen“, so Scherf. Er zitierte den Bayerischen Präventionsplan, laut dem das gesunde Aufwachsen in der Familie, in Kindertageseinrichtungen und in der Schule als eines von vier Handlungsfeldern von besonderer Bedeutung sei. Diesem Gedanken fühle sich auch die Gesundheitsregion plus verpflichtet, in der die kinderärztliche Versorgung sowie die Kinder- und Jugendgesundheit hohe Priorität hätten. „Außerdem besteht nach wie vor das Bestreben nach einer eigenen kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis im Landkreis“, so Scherf.

Der Landrat ging auch auf die 25-jährige Historie des Gesundheitstags ein, der jeweils am ersten Oktobersonntag abwechselnd in Erlenbach und Bürgstadt stattfindet. „Die Themen wechseln und entstammen vor allem der Prävention“, stellte der Landrat fest. Seit 2015 werde auch das jeweilige Jahresschwerpunktthema des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege gewählt. Neben der Information der Bevölkerung für gesundheitsrelevante Themen und ein gesundheitsbewusstes Leben gehörten auch die Vorstellung der vorhandenen Angebote und Möglichkeiten. Ziel seien auch die Vernetzung und die Kooperation mit allen teilnehmenden Akteuren und Anbietern – jährlich zwischen 20 und 25 – aus dem Gesundheits- und Sozialwesen im Landkreis und aus der Region. Die Initiative sei vom Gesundheitsamt ausgegangen blickte Scherf zurück; Gründungspaten seien damals die lokalen Krankenkassen AOK und BKK Akzo Nobel gewesen. Der Landrat dankte allen Kooperationspartnern für ihr großartiges Engagement sowie allen Akteuren aus dem Gesundheitsamt für ihren Einsatz bei Planung und Organisation der Gesundheitstage.

Bürgstadts Bürgermeister Thomas Grün ging, Bezug nehmend auf das Thema des Gesundheitstags, auf die Jugendsozialarbeit an Grund- und Hauptschule ein, wo Sozialpädagogen hilfsbedürftige oder benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützen und fördern. „Wir sind damit sehr zufrieden“, sagte er zu Landrat Scherf, denn der Landkreis übernimmt hierfür einen Teil der Kosten. Die vom Gemeinderat beschlossene Errichtung eines Bolzplatzes solle dafür sorgen, „dass die Kinder raus gehen und sich bewegen“, nannte er einen weiteren Aspekt der Anstrengungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Nach der Eröffnung des Gesundheitstags, musikalisch gestaltet vom Schülerblasorchester der Fränkischen Rebläuse (Leitung: Susanne Hock), nahmen sich die Gäste Zeit für einen Rundgang, ehe im Laufe des Nachmittags zahlreiche Besucher aus Nah und Fern den Gesundheitstag besuchten. Während für die Kinder im kleinen Saal unter anderem ein Puppentheater und Entspannungsübungen angeboten wurden, konnten sich die Eltern im großen Saal über Prävention sowie den Umgang mit psychischen Krankheiten informieren und sich über die zahlreichen Hilfsangebote in der Region kundig machen.

Zusammen mit Bürgstadts Bürgermeister Thomas Grün (links) ging Landrat Jens Marco Scherf am frühen Nachmittag durch die Stände des Gesundheitstags – hier im Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Sabine Farrenkopf, und der Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus, Judith Seidel (rechts).Zusammen mit Bürgstadts Bürgermeister Thomas Grün (links) ging Landrat Jens Marco Scherf am frühen Nachmittag durch die Stände des Gesundheitstags – hier im Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Sabine Farrenkopf, und der Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus, Judith Seidel (rechts).

Neu in diesem Jahr beim Gesundheitstag waren verstärkte Angebote zur Bewegung – hier konnten Kinder ihre Balance-Fertigkeiten unter Beweis stellen.
Neu in diesem Jahr beim Gesundheitstag waren verstärkte Angebote zur Bewegung – hier konnten Kinder ihre Balance-Fertigkeiten unter Beweis stellen.

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