Gesundheitsregion plus Miltenberg Gesundheitsregion plus Miltenberg
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Gesundheitsregion plus Miltenberg
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Kino-Matinee Februar 2017

Kino-Matinee: Kooperationsveranstaltung der Gesundheitsregionplus und dem Ärztlichen Kreisverband

Am 05. Februar 2017 fand in der Kino Passage in Erlenbach eine dreistündige Kino-Matinee Veranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Die ca. 100 Teilnehmer sind ein Beleg dafür, dass die Gesundheitsversorgung für viele Menschen im Landkreis ein wichtiges Thema darstellt.

Gezeigt wurde der Spielfilm "Der Landarzt von Chaussy". Anschließend diskutierten Landrat Jens Marco Scherf und Wolfgang Zöller, ehemaliger Patientenbeauftragter der Bundesregierung sowie langjähriger CSU Bundestagsabgeordneter mit vier jungen Vertretern unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen. Für die Ärzteschaft waren Katharina Merker, Studentin der Medizin und Daniel Feldberg, Assistenzarzt an der Helios-Klinik in Erlenbach auf dem Podium. Für die Physiotherapie sprach Uwe Eisner und für die Berufsgruppe Pflege war Daniel Ringlstetter, Altenpfleger und Bachelor of Science sowie Pflegedienstleiter mit dabei.

Katharina Merker und Daniel Feldberg wünschen sich mehr Informationen zur Niederlassung (hier vor allem das betriebswirtschaftliche Know-How) und zu den Vorzügen des Arztberufs auf dem Land und den sich bietenden Perspektiven und Möglichkeiten im Landkreis Miltenberg. Auch das Thema Sicherheit und ob aufgrund der Lücken in der Allgemeinmedizin perspektivisch für junge Nachwuchsmediziner genug Zeit bleibt, sich adäquat einzuarbeiten, beschäftigen die Beiden. Nach Erlangung des Facharztes wäre der Wunsch von Feldberg, in einer Anstellung erste Erfahrungen sammeln zu können um gut in den Beruf zu starten.

Daniel Ringlstetter hat nach seinem Examen als Altenpfleger einige Jahre im Beruf gearbeitet um danach einen Bachelor in Pflegemanagement zu absolvieren. Derzeit studiert er parallel zu seiner Berufstätigkeit als Pflegedienstleiter im Masterstudiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement. Seine Motivation zum Studium liegt in der positiven Veränderung des Pflegeberufs. Er wünscht sich eine stärkere Verzahnung der Gesundheitsprofessionen um die Gesundheitsversorgung mehr an den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren. Den Ansatz der Gesundheitsregionplus findet er als Start für eine solche Kooperation sehr gut um regionale Netzwerke langfristig aufzubauen und die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen zum Wohle der Patienten zu optimieren.

Uwe Eisner knüpfte daran an und ergänzte: Die Akzeptanz der Professionen untereinander müsse steigen. Dies sei kein regionales Problem, dennoch seien andere Regionen z.B. was integrierte Versorgungsverträge angeht, schon weiter. Es wäre wünschenswert, dies auch im Landkreis Miltenberg langfristig anzugehen um sich nicht nur kommunikativ zu vernetzen, sondern auch vertraglich.

Wolfgang Zöller ging darauf ein, dass vieles schon gesetzlich möglich sei, man müsse es nur in konkreten Projekten umsetzten, hier braucht es die Beteiligung der Akteure vor Ort.

Jens Marco Scherf ging auf die bisherigen Erfolge der Gesundheitsregionplus in den drei bestehenden Arbeitsgruppen "Gesundheitsversorgung", "Gesundheitsförderung und Prävention" sowie "Pflege, Palliativ- und Hospizversorgung" ein und machte deutlich, dass z.B. mit dem Weiterbildungsverbund für Allgemeinmedizin und der Vernetzung der Akteure vor Ort bereits nach knapp zwei Jahren sehr viel erreicht wurde.

Landrat Jens Marco Scherf begrüßte die etwa 100 Besucherinnen und Besucher und machte in seinen einführenden Worten deutlich, wie wichtig die Themen Gesundheitsversorgung und Nachwuchskräfte in allen Gesundheitsprofessionen für den Landkreis sind.

Jörg Frieß, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Aschaffenburg Untermain und Mitveranstalter, ging in seiner Begrüßung auf die Attraktivität des Hausarztberufes ein: Es gäbe gute Verdienstmöglichkeiten, das soziale Ansehen in der Bevölkerung sei nach wie vor sehr hoch und eine gute "work-life Balance" sei möglich, wie er an mehreren Beispielen verdeutlichte. 

Nach dem Film "Der Landarzt von Chaussy" diskutierte das interdisziplinär und multiprofessionell besetzte Podium mit den beiden Politikern über die Gesundheitsversorgung der Zukunft im Landkreis Miltenberg. Die TeilnehmerInnen beleuchteten das Thema aus ihren jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln und diskutieren u.a. die Frage, wie der Landkreis Miltenberg für den Nachwuchs sämtlicher Gesundheitsprofessionen, von Medizin bis zur Pflege und Therapie noch attraktiver werden kann.

Diskussionsteilnehmer (v.l.n.r.): Landrat Jens Marco Scherf; Wolfgang Zöller, ehem. Patientenbeauftragter der Bundesregierung und MdB a.D.; Daniel Feldberg, Assistenzarzt; Uwe Eisner, Physiotherapeut; Daniel Ringlstetter, Altenpfleger und Bachelor of Science (B.Sc.); Katharina Merker, Studentin der Medizin;  

Katharina Merker beantwortete die Frage, wie zukünftig erfolgreiche Gesundheitsversorgung im Landkreis Miltenberg aussehen könnte vor allem damit, dass junge Mediziner sich kooperative Arbeitsmöglichkeiten wünschen. Das Ideal wäre für sie, von praxiserfahrenen Kollegen zu lernen und Unterstützung von ihnen bei allen Fragen der Niederlassung und der praktischen Arbeit zu erhalten (Mentoring). Sie wünscht sich, dass die Projekte der Gesundheitsregionplus bei den Zielgruppen weiter publik gemacht werden und hofft auf mehr Information und bessere Einbindung.

Daniel Ringlstetter würde an der bestehenden Struktur der Gesundheitsregionplus ansetzten um den Landkreis zukünftig in Gesundheitsversorgungsfragen attraktiver zu gestalten. Ein Thema sei die hohe Abbruchsquote vor allem in der Altenpflege. Die Eigenwahrnehmung der Berufsgruppe Pflege müsste seiner Auffassung nach gestärkt werden. Die Profession Pflege stellt schon heute einen wesentlichen Eckpfeiler für die Gesundheitsversorgung dar. Dieses Selbstverständnis müsse weiter gestärkt und ausgebaut werden, die Wertschätzung für die Berufsgruppe sei immens wichtig. Auch die akademisierte Pflege stellt hier ein weiteres Feld dar, welches zur Attraktivitätssteigerung und zu einem besseren Selbstverständnis beitragen könnte. Klar müsse dann aber auch sein, dass Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen werden müssten, die dann auch adäquat vergütet sein müssten. Als Beispiel für einen der bundesweit 150 Pflegestudiengänge nannte er den Studiengang Advanced Practice Nursing an der Frankfurt University of Applied Sciences, ein Masterstudiengang, der für die direkte Patientenversorgung qualifiziert. Nach drei Jahren Ausbildung und fünf Jahren Studium muss allerdings auch eine andere Vergütung geboten werden. Die Gefahr, dass Absolventen aussteigen und in andere Berufsfelder oder Zweige wie die Industrie abwandern, weil sie keine adäquate Anstellung nach ihrem Studium finden, die eigentlich zur Stärkung der Berufsgruppe Pflege beitragen könnten, sei groß. Ringlstetter wünscht sich hier mehr Mut um Veränderungen konkret vor Ort anzustoßen. Die schon jetzt gegebenen gesetzlichen und vertraglichen Möglichkeiten sollten ausgenutzt und ggf. in einem Modellprojekt erprobt werden um neue Versorgungsstrukturen regional zu etablieren. Auch die generalistische Pflegeausbildung sei eine gute Chance für den Pflegeberuf, die Durchlässigkeit würde ebenfalls zur Attraktivität beitragen.

Uwe Eisner, der auch Informatik studiert hat, wünscht sich, dass die Vernetzung auch elektronisch weiter voran geht. Viele Problematiken des Gesundheitswesens sind bundespolitischer Natur, konkret fest machte er dies am Beispiel Delegation / fehlende Substitution: Bei der Wundversorgung, gibt es für Pflegepersonal spezielle Fachweiterbildungen und Studienmöglichkeiten, dennoch liegt letztlich die Verantwortung bei der Diagnosestellung, bei der Versorgung der Wunde und bei der Verschreibung von Wundauflagen und Verbandmaterial doch wieder in ärztlicher Hand. Als weiteren Punkt nannte er auch den massiven Fachkräftemangel bei den Physiotherapeuten. Während die Leistungen der Therapeuten steigen, sind die Ausbildungszahlen um 10% rückläufig. Die Bundespolitik sei hier gefragt um die Stellschrauben richtig zu drehen. Regional gibt es große Unterschiede, aktuell sucht Eisner einen Physiotherapeuten für seine Praxis in Collenberg, das sei extrem schwierig. Als Landkreisaufgaben sieht Eisner, die Infrastruktur weiter auszubauen, für junge Familien noch attraktiver zu machen, Verbindung zu den Städten wo Ausbildung passiert (z.B. Physiotherapie-Ausbildungszentren in Aschaffenburg und Würzburg) herzustellen und die Region und ihre Vorzüge gut darzustellen. Eisner wünscht sich ein Dreiklang: Die Gesundheitsregionplus sei ein wichtiges und gutes Instrument und sollte weiter ausgebaut werden, ein weiterer Punkt sei, dass der Landkreis Rahmenbedingungen schafft, um junge Nachwuchskräfte aller Gesundheitsprofessionen in den Landkreis zurückzuholen und der dritte Punkt, der ihm wichtig sei ist, dass die Lokalpolitik Einfluss auf die Bundesgesetzgebung nimmt um die Weichen vor Ort richtig stellen zu können.

Wolfgang Zöller ging darauf ein, dass es elementar sei, deutlicher darzustellen, wer was wann leisten kann. Dies publik zu machen, sei ein Weg um neue Arbeitskonzepte und Aufgabenfelder zu erschließen. Das sieht er als Weg der Zukunft. In Bezug auf die Bevölkerung des Landkreises merkte er an, dass es zu viele Informationen an zu vielen verschiedenen Stellen gäbe. Hier müsse man dafür sorgen, dass es eine Stelle im Landkreis gibt, an der Patienten die für sie relevanten Informationen gebündelt bekommen, speziell was die Fragen rund um Pflege angeht.

Daniel Feldberg sieht die elektronische Patientenakte als ein probates Mittel, wie sich die Kommunikation der unterschiedlichen Professionen des Gesundheitswesens zum Wohle einer patientenorientierten Versorgung besser miteinander vernetzen lässt. Dies ersetzt allerdings nicht den persönlichen Kontakt zum Patienten bzw. zu den anderen Berufsgruppen. Abschließend wünschte er sich mehr Unterstützung und Hilfestellung in Bezug auf die praktische Niederlassung, mit allem was dazu gehört und dass junge Nachwuchsmediziner im bestehenden Netzwerk ihren Platz finden um gut miteinander arbeiten zu können.

Jens Marco Scherf möchte am Kurs der Gesundheitsregionplus weiter anknüpfen und mit den Experten und Akteuren vor Ort weiterhin an der zukünftigen Gesundheitsversorgung im Landkreis Miltenberg arbeiten.

 

Ruth Weitz, freie Journalistin, moderierte charmant die lebhafte Diskussion. Die Bilder wurden von Frau Miriam Weitz zur Verfügung gestellt.

 

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem Main Echo Artikel "Junge Ärzte in den Landkreis locken" bzw. in dieser Pressemeldung "Gesundheitsregionplus auf einem guten Weg" vom 06.02.17.

Filmtipp in der ARTE Mediathek:

Sehen Sie in der ARTE Mediathek den Film SOS - Gesundheit für alle.

Die Zukunft des öffentlichen Gesundheitswesens in Europa scheint seit Jahren ungewiss. Nicht umsonst spielt das Thema eine zentrale Rolle in der politischen Diskussion, beispielsweise im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Die Dokumentation wirft in verschiedenen europäischen Ländern einen Blick hinter die Kulissen des jeweiligen Gesundheitssystems.


Überall in Europa krankt das Gesundheitssystem und sorgt für aufgeheizte Debatten. Die Solidaritätsstrukturen, die sich seit ihrer Entstehung in der Nachkriegszeit nicht wesentlich weiterentwickelt haben, stecken in einer tiefen Krise. In Deutschland stehen die Krankenhäuser unter Druck, knapp ein Drittel der Kliniken schreiben rote Zahlen. Im Vereinigten Königreich hatte die Debatte über die Zukunft des Gesundheitswesens entscheidenden Einfluss auf das Brexit-Votum. Und auch das französische Gesundheitssystem - im Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch als das beste der Welt eingestuft – hat seine Spitzenstellung verloren. Verschiedene Reformen brachten keine einschneidende Veränderung, im Land mehren sich die Rufe nach einer grundlegenden Neuorganisation, und das Thema spielt eine zentrale Rolle im französischen Präsidentschaftswahlkampf.

Egal wo, der Trend zu einer „Zwei-Klassen-Medizin“ ist deutlicher denn je. Warum stehen die Gesundheitssysteme vor dem finanziellen Kollaps, obwohl die Patienten immer stärker zur Kasse gebeten werden? Ist die Entstehung medizinisch unterversorgter Gebiete unvermeidlich? Die Macher der Dokumentation geben Einblick in die verschiedenen europäischen Systeme, zeigen Sackgassen auf, aber auch vielversprechende Ansätze, die woanders Schule machen könnten. Sie recherchierten in Krankenhäusern und befragten Ärzte, um Licht in das Dunkel der politischen Debatte zu bringen.

Dabei wird deutlich, dass vor allem ein Phänomen für die Krise des öffentlichen Gesundheitswesens verantwortlich ist: die Zunahme chronischer Erkrankungen. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung verlagerte sich in den Industrieländern der Schwerpunkt von akuten Erkrankungen wie Tuberkulose, Herzinfarkt oder Schlaganfall auf Langzeiterkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Parkinson oder Diabetes. Jeder fünfte Europäer hat heute mindestens ein chronisches Gesundheitsproblem, und nach Schätzungen der WHO wird es 2025 jeder Dritte sein.

Die Dokumentation untersucht die Folgen in verschiedenen europäischen Ländern, von Frankreich über Deutschland und England bis Schweden, und zeigt Lösungswege auf. Sie bietet eine neue Sicht auf das Gesundheitswesen und weckt Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung für alle.

Zu Wort kommen unter anderen der SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach, der Präsident des World Health Summit Prof. Dr. Detlev Ganten, der Gründer der Hamburger Martini-Klinik Prof. Dr. Hartwig Huland sowie der Gründer des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums Prof. Hans-Christoph Diener.

Kontakt

Landratsamt Miltenberg - Gesundheitsregion plus
Brückenstraße 2
63897 Miltenberg
Telefon: 09371 501-554

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